Protokoll des Treffens mit Experten vom 20.09.2018

Nach der Sommerpause ist das PPD-Boot wieder in See gestochen und hatte sich für seine erste Reise einen Steuermann erster Klasse an Bord geholt: Robin Alexander. Seit 2008 schreibt der 1975 geborene und vielfach ausgezeichnete Journalist für Die Welt und Welt am Sonntag, berichtet dort seit 2010 über das Kanzleramt und begleitet Deutschlands Parteivorsitzende Nummer 1 als Berichterstatter zu Auslandsexpeditionen und internationalen Gipfeln.

Aus nächster Beobachtung also weiß er, welche Eigenschaften ein Parteivorsitzender haben muss, um sich so lange wie möglich an der Spitze zu halten. „In erster Linie braucht der- oder diejenige eine hohe Toleranz gegenüber Langeweile“, berichtete Alexander zum Expertengespräch am 20.9. in der PPD-Zentrale im Club der polnischen Versager. Denn was Besucher und auch Journalisten miterleben, sind nur Ausschnitte eines alltäglichen Trotts. 

Vor allem in Wahlkampfzeiten reisen Politiker unermüdlich durch das Land und müssen immer wieder das gleiche erzählen, lediglich vor einem anderen Publikum. Fleiß und Ausdauer sind es also, ohne die ein Parteivorsitzender nicht bestehen und die langen Abende in Gremien überstehen kann. Doch all dies nützt ihm wenig, wenn er letztlich keine Ergebnisse vorweisen kann.

Robin Alexander verglich den Parteivorsitzenden mit einem Räuberhauptmann, der geduldet wird, solange er die Beute herbeischafft. Und die Beute im deutschen politischen System sind – Wählerstimmen. „In der deutschen Politik geht es nicht um Geld, sondern die Währung in der Politik sind die Stimmen“, erklärte Alexander. In dem Moment, in dem diese ausbleiben, sei auch die Zeit einer Langzeitvorsitzenden wie Angela Merkel vorbei.

Die hatte einst über die Zeit nach ihrer Amtszeit gesagt, ein Nachfolger habe sich noch immer gefunden. Wie aber sollte der- oder diejenige sein? Es sei laut Alexander auch die Frage, welcher Typus Politiker gefragt sei. „Kohl, Schröder, Merkel – so grundverschieden sie waren, so sehr haben sie in ihre Zeit gepasst“, meinte der Experte. Und derzeit sei es – Beispiel Emmanuel Macron oder Sebastian Kurz – der junge, männliche Politiker, der gefragt sei. Dies könnte auch in Deutschland so werden. Entscheidende Kriterien für einen Newcomer seien die Fragen: Was will er? Was mutet er seinen Leuten zu? Und ob jemand zum Parteivorsitzenden taugt, werde dann deutlich, wenn er seinen ersten Konflikt gewonnen habe.

Auch im Namen aller Gäste bedanken wir uns bei Robin Alexander für den netten und interessanten Gesprächsabend und die Einblicke in die Arbeit und das Wesen eines Parteivorsitzenden.